Chronik der Fachoberschule

Als im Jahr 1970 Fachoberschulen als Zubringer für die  Fachhochschulen eingerichtet, ja geradezu aus dem Boden gestampft werden mußten, bangten wohlwollende Beobachter um den Ausgang des Experiments. Skeptiker prophezeiten der neuen Schulart wie auch der Fachhochschule keine lange Lebensdauer. Schon nach wenigen Jahren stand indessen fest, dass die Fachoberschule ihrer Bestimmung in hohem Maße gerecht wird. Durch die Verbindung von allgemeinem und anwendungsorientiertem Lernen und durch die Einbeziehung fachpraktischer Inhalte vermag sie Schüler aus unterschiedlichen Zugangswegen zusammenzuführen und mit dem notwendigen Rüstzeug an die Fachoberschulen weiterzuleiten, deren anwendungsbezogene Studiengänge nahtlos in angesehene und aussichtsreiche Berufe führen. Neben dem allgemein bekannten Weg Gymnasium - Universität ist die echte Alternative Fachoberschule - Fachhochschule mehr und mehr ins öffentliche Bewußtsein getreten.

Nicht von ungefähr wurde die Fachoberschule dem beruflichen Schulwesen zugeordnet; sie ist in einem Jahrzehnt zu einem wesentlichen und geachteten Bestandteil geworden. Steigende Schülerzahlen beweisen dies ebenso wie anerkennende Stimmen der Fachhochschulen und der Wirtschaft, die inzwischen 65 000 erfolgreiche Absolventen der Fachoberschule aufgenommen haben. Diese lobenden Worte, die der damalige Kultusminister Prof. Dr. Hans Maier zum zehnjährigen Bestehen der bayerischen Fachoberschulen gesprochen hat, haben sich auch nach weiteren zehn Jahren bestätigt. Zwanzig Jahre Bestand für eine Schulart sind im Vergleich zu anderen altehrwürdigen Bildungseinrichtungen nur eine kurze Zeitspanne. Trotzdem kann in einer Periode der "permanenten Bildungsreform" das zwanzigjährige Bestehen als eine gelungene Bewährungsprobe gesehen werden.

Die Entstehung der Fachoberschule ist als eine pragmatische Antwort auf die Errichtung der Fachhochschulen zu sehen. Schon in den 60er Jahren, als noch die ursprünglichen Ingenieurschulen bestanden, wurde bei den Studienanfängern die notwendige schulische Voraussetzung vermißt. So forderten bereits im Jahr 1965 die Direktoren der  deutschen Ingenieurschulen eine 12jährige Vorbildung mit Einschluss einer Praktikumsphase. Als im Herbst 1969 die Ministerpräsidenten der Länder die Gründung der  Fachhochschulen beschlossen und das im Sommer 1970 durch den bayerischen Landtag verabschiedete Fachhochschulgesetz den Beginn des ersten  Semesters auf den 1. August 1971 festlegte, war auch die Fachoberschule, als zweiklassiger Zubringer, konzipiert.

Als Bindeglied zwischen mittlerem Schulabschluss und den neu gegründeten Fachhochschulen wurde die Fachoberschule installiert und dem beruflichen Schulwesen zugeordnet. Den Fachoberschulen fällt die Aufgabe zu, den Schülern in einer in der Regel zwei Jahre dauernden Ausbildung (11. und 12. Jahrgangsstufe) vor Eintritt in die Fachhochschule eine vertiefte allgemeine wie auch eine fachtheoretische und fachpraktische Ausbildung zu vermitteln um die Fachhochschulreife zu verleihen.Es ist auch möglich, ähnlich wie früher vor Eintritt in die Ingenieurschule, mit mittlerem Schulabschluss und abgeschlossener einschlägiger Berufsausbildung unmittelbar in die 12. Jahrgangsstufe der Fachoberschule einzutreten.

Die FOS orientiert sich bewusst an den Erfordernissen des Marktes und aktualisiert entsprechend den Lehrstoff in seinen drei wichtigen Ausbildungsrichtungen Technik, Wirtschaft, Verwaltung und Rechtspflege  sowie Sozialwesen. Aus alledem ergibt sich das Hauptziel der FOS, nämlich Schüler mit praktischer Intelligenz und realem Sinn für technische, wirtschaftliche und soziale Anliegen zu befähigen, ihr theoretisches und praktisches Wissen und Können beruflich umzusetzen.

Die Gründung der FOS Neumarkt i.d.OPf. und ihre Entwicklung

Als Ende 1969, anfangs 1970, die Notwendigkeit von Fachoberschulen ins Gespräch kam, sondierten die damals Verantwortlichen der noch kreisfreien Stadt Neumarkt i.d.OPf., Oberbürgermeister Betz, sein damaliger Stellvertreter und Schulreferent Kurt Romstöck sowie Stadt- und Kreisrat Fritz Schmid sofort die Möglichkeit der Gründung einer FOS in Neumarkt i.d.OPf.. Schon am 16.03.1970 stellte die Stadt offiziell Antrag beim Bayer. Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Mit Erlass vom 25. Mai 1970 wurde die Staatl. Fachoberschule genehmigt und die Errichtung ab Schuljahr 1970/71 im Staatsanzeiger vom 31.07.1970 veröffentlicht. Der relativ leichten Geburt folgten schwere Jahre, während der, selbst wohlgesinnte Freunde dem jüngsten Kind der bayerischen und Neumarkter Schulfamilie mitunter kaum noch Überlebenschancen einzuräumen wagten.

Es fehlten Räume, Lehrer, Lehrmittel und Praxisplätze. Dennoch gelang es dank dem Improvisationstalent von Oberbürgermeister Theo Betz, dem nimmermüden Engagement von Gründungsdirektor Hans Braun, dem Pioniergeist ihrer ersten Lehrer sowie der tatkräftigen Unterstützung der Kreishandwerkerschaft und des Handelsgremiums unter Leitung der Herren Pius Rieger und Dr. Robert Feist, die schwierigen Phasen des Aufbaus zu meistern.

Die ersten Jahre, "die Gründerjahre" brachten gleichermaßen für Schulleitung, Lehrerkollegium und Schüler alle typischen Schwierigkeiten mit sich, die bei der Gründung einer neuen Schulart und einer neuen Schule anfallen. Hohe Anforderungen an Lehrkörper und Schüler stellte die dezentralisierte Unterbringung der FOS Neumarkt in den Anfangsjahren. Die einzelnen Klassen waren teilweise auf sieben verschiedene Gebäude verteilt, wie aus dem Schaubild auf der nächsten Seite zu entnehmen ist.

 

Erstes Schulgebäude der Fachoberschule in der Feldstraße

Dazu kam die zeitweise Mitbenutzung von Fachsälen in der Knabenrealschule, im Ostendorfer Gymnasium und im Willibald-Gluck-Gymnasium sowie der Turnhallen des WGG, Sportstätten des ASV Neumarkt,  Turnhallen in der Hasenheide und der Turnhalle an der Mariahilfstraße.

Unterrichteten 1970/71 nur 5 hauptamtliche und 7 nebenamtliche bzw. nebenberufliche Lehrer 104 Schüler, so sind heute 24 haupt- und 10 nebenamtliche und nebenberufliche Lehrer an der Schule sowie im Schnitt 400 - 450 Schüler.

Eine wesentliche Zäsur erfährt die Lebensgeschichte der FOS Neumarkt nach vollzogener Kreisreform mit der Übernahme des Sachaufwandsträgers durch den Landkreis Neumarkt i.d.OPf. ab 01.01.1973. Im Februar 1976 ermöglichte Landrat Josef Werner Bauer den Umzug aller FOS-Klassen in das ehemalige Gebäude des Willibald-Gluck-Gymnasiums an der Ingolstädter Straße. Damit war die Zeit der dezentralisierten Unterbringung der Klassen mit den damit unausbleiblichen vielfältigen Schwierigkeiten zu Ende. das seinerzeit mit Skepsis aufgenommene "illegitime Kind der Bildungspolitik" hat sich kräftig und gedeihlich entwickelt und sich als voll lebensfähig erwiesen.

 

Unser altes Schulgebäude in den 50-er Jahren

Voraussetzung hierfür war im äußeren Bereich, dass die Zeiten des Lehrermangels und der Schulraumnot, die Schwierigkeit der Gewinnung von fachpraktischen Ausbildungsplätzen in gemeinsamer Anstrengung von Staat und Gemeinden, von Leitern und Lehrern, nicht zuletzt der Betriebe bewältigt wurden.

Im zehnjährigen Jubiläumsjahr genehmigte das Staatsministerium für Unterricht und Kultus sowie der Sachaufwandsträger, der Landkreis Neumarkt, FOS-eigene Lehrstätten, die ab 1983 im Berufsschulneubau am Deininger Weg untergebracht sind. Mit diesen Werkstätten für Metall und Elektro/Elektronik gelang ein weiterer Schritt im inneren und äußeren Auf- und Ausbau der Neumarkter Fachoberschule. Dank einer vorzüglichen Ausstattung, einschließlich CNC-gesteuerte Maschinen, können Schüler seither im eigenen Erproben handwerklich-technische Grundfertigkeiten erlernen und die Verknüpfung von Theorie und Praxis erfahren.

Im Schuljahr 1983/84 erreichte die FOS Neumarkt mit 426 Schülern ihren bisher höchsten Stand. Somit mussten wiederum 5 Klassen außerhalb des renovierten Hauptgebäudes in die ehemalige haus- und landwirtschaftliche Berufsschule beim Landratsamt ausgelagert werden.

Dem Gründungsdirektor OStD Hans Braun ist es zu verdanken, dass es nach langjährigem Bemühen und noch vor seiner Pensionierung gelungen war, die Generalsanierung des Stammhauses an der Ingolstädter Straße und die Aufstockung des Turnhallentraktes mit Schulräumen vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus am 28.11.1984 genehmigt zu bekommen. Die Sanierungsarbeiten, die 1986 begannen, machten es allerdings wiederum notwendig, einige Klassen auszulagern. Dankenswerterweise stellten das Willibald-Gluck-Gymnasium, das Ostendorfer Gymnasium und die Berufsschule Räume zur Verfügung, so dass ein reibungsloses Unterrichten gewährleistet war. Die wechselvolle Standortgeschichte der Fachoberschule Neumarkt fand mit dem Schuljahr 1988/89 ihr Ende, denn von diesem Zeitpunkt an waren alle Klassen wieder im Stammhaus untergebracht. Wenn diese baulichen Maßnahmen im Herbst 1989 abgeschlossen sein werden, erscheinen auf absehbare Zeit die Voraussetzungen für eine langfristige gedeihliche Unterrichts- und Erziehungsarbeit gesichert.

Ohne Einschränkung kann man feststellen, dass sich die Staatliche Fachoberschule Neumarkt in der Bildungslandschaft unserer Region fest etabliert hat und in sie voll integriert ist.

Am 12. Januar 1990 wurde der Fachoberschule in einem Festakt der Name "Maximilian-Kolbe-Schule " verliehen.

Für das Schuljahr 1997/98 beschloss der Bayerische Ministerrat an verschiedenen Standorten in Bayern neue Berufsoberschulen zuzulassen. Da Neumarkt die vorgegebenen Kriterien erfüllt hat, wurde der Fachoberschule ab dem Schuljahr 1997/98 eine teilausgebaute Berufsoberschule angegliedert. Mit der Errichtung der Berufsoberschule Neumarkt in den Ausbildungsrichtungen Technik und Wirtschaft werden die Möglichkeiten der beruflichen Weiterqualifizierung für Bewerber unmittelbar nach ihrer Berufsausbildung, aber auch für solche, die aus dem Berufsleben kommen, wesentlich erweitert. Hinzu kommt der Vorteil einer wohnortnahen Ausbildung an einer mittelgroßen und damit noch sehr übersichtlichen Schule.

Mit dem Neubau der BOS/FOS in unmittelbarer Nähe der Berufsschule ergibt sich eine sehr sinnvolle Konzentration berufsbildender Einrichtungen an der Kerschensteinerstraße und dem Deininger Weg. Verbunden mit dem konsequenten Ausbau des Schulsystems ist auch die Gewähr, dass qualifizierte junge Leute nicht mehr nach Nürnberg, Ingolstadt, Amberg oder Regensburg abwandern müssen und damit "der Region" langfristig erhalten bleiben.

Die Schülerinnen und Schüler haben nun die Möglichkeit, nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung die Fachhochschulreife zu erwerben. Somit ist ein zweiter Weg zur gymnasialen Oberstufe Geschaffen worden. Mit dem 15.09.1998 beginnt im neuen Gebäude an der Kerschensteinerstraße das Schuljahr 1998/99.