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„Pistole“ – Ein Neonazi-Aussteiger berichtet

Nägel werden durch einen Holzknüppel geschlagen, der Blutrausch beginnt, der Hass auf nicht ‚Arier’ ist ungebrochen und soll sich an diesem Abend zu einem Höhepunkt zuspitzen. Die Meute bringt sich gegenseitig in Rage und begibt sich auf den Weg. Das Ziel ist die vorher ausgemachte Hochzeit eines Paares mit türkischem Migrationshintergrund. Die Hochzeitsstätte wird mit 75 ‚Kameraden’ gestürmt. Der Knüppel mit den herausstehenden Nägeln kommt zum Einsatz. Männer und Frauen der Hochzeitsgesellschaft gehen zu Boden, einige Personen verdrehen die Augen, Blut kommt ihnen aus dem Mund, der Nase, den Ohren und den Augen und aus weiteren Verletzungen.

Diese Beschreibungen von ‚Pistole’ aus der rechtsradikalen Szene sind realitätsnah. Jedoch geht er auf die Aussage „5 Türken sind an diesem Abend gefallen“ nicht genauer ein.

Am 24.01.2011 berichtete Manuel Bauer, in der rechten Szene bekannt als ‚Pistole’, im G6 in Neumarkt vor mehreren Schulklassen der Maximilian Kolbe Schule und der Neumarkter Gymnasien auf initiative der Friedrich-Ebert-Stiftung von seiner Neonazikarriere, die er bereits mit 12 Jahren begann.

Aufgewachsen ist Bauer in der DDR, seiner Familie geht es sozial und finanziell nach der Wende bald schlecht. Die Eltern wurden arbeitslos und unter den Jugendlichen verbreitete sich allgemeine Unzufriedenheit. Der junge Manuel Bauer wächst in einer sehr ungewissen Zeit auf. Als ihn ein Bekannter mit auf ein Konzert einer rechtsradikalen Band nimmt, ist er von dem Gemeinschaftsgefühl dort sofort fasziniert und in den Bann dieser Organisation gezogen.

Für die Jugend der 90er Jahre gab es, nach seiner Aussage, keine Unterhaltung, keine Treffpunkte, keine elektronischen Medien und auch kein Geld, um etwas zu unternehmen. Darum war die Organisation der Rechten ein Auffangpunkt für viele junge Menschen, die keine Perspektiven hatten. Sie veranstalteten Zeltlager und sonstige gemeinsame Aktionen. Zudem bekamen sie ‚coole Klamotten’ wie Springerstiefel oder Bomberjacken, die damals unerschwinglich waren, geschenkt. Das Gemeinschaftsgefühl war für den kleinen Manuel Bauer ein unheimliches Glücksgefühl. Er fühlte sich nirgends wohler als am Lagerfeuer oder bei Konzerten mit seinen Kameraden.

Manuel Bauer steigt in der Hierarchie auf und gründet ein eigenes Kameradschaftsheim „Zur Glatze“. Mit den Jahren wird er gemeinsam mit seiner Truppe immer brutaler. Sie fackeln ein Asylheim und eine Dönerbude ab. Sein Hass auf ausländische Mitbürger wird so groß, dass er vor lauter Wut eine indische Familie mit deren fünfjähriger Tochter  zusammenschlägt. Ein anderes Erlebnis, das Bauer erzählt, ist die Geschichte von einem Kameraden, der in einer spontanen Aktion einem Menschen mit afroamerikanischem Hintergrund mitten am Tag ein Auge herausstach.

Für seine Unternehmungen und seinen Waffenhandel benötigte Bauer Geld. Als er mitbekam, dass ein lokaler Geschäftsmann homosexuell ist, erpresste er ihn monatelang. Die Homosexuellen werden in der rechten Szene als minderwertig betrachtet. Diese Erpressung  spitzte sich so zu, dass ‚Pistole’ den Geschäftsmann in einem Waldstück hinrichten wollte. Beim Abdrücken versagte die Handfeuerwaffe und der Mann überlebte.  Über internationale rechtsradikale Netzwerke wäre bereits eine Flucht nach Südamerika organisiert gewesen.

Kurze Zeit später wurde Bauer angeklagt unter anderem wegen räuberischer Erpressung. Dass die rechte Szene vor keiner Gesellschaftsschicht STOPP macht, zeigte sich daran, dass ‚Pistole’ mehr als erleichtert war, als er die Namen des Oberlandesrichters und des Strafverteidigers las. Bauer kannte beide aus der rechten Szene, deshalb war die Rechtssprechung auch sehr mild, und er saß letztendlich nur 1 Jahr und 10 Monate im Gefängnis.

 

Die Wende

Während seiner Zeit im Gefängnis sah Manuel Bauer Kameraden mit Drogen dealen, ein No-go in der rechten Szene. Als er sie darauf anspricht, verprügeln sie ihn.  Ausgerechnet zwei Türken kommen ihm zu Hilfe. Dieses Erlebnis war ein Wendepunkt für Bauer. Er fing an über sich und seine Kameraden nachzudenken. Hierbei stellte er fest, dass ihn seine Kameraden der rechten Szene im Stich gelassen hatten.

Zu diesem Geschehnis beeinflusste ihn auch eine damalige Justizbeamtin, die ihm mehrmals gut zugeredet hatte, genauso wie ‚exit Deutschland’, das ein Aussteigerprogramm für Rechtsradikale ist. Durch diese drei Aspekte sah er langsam auch die negativen Seiten der rechtsradikalen Szene.

Ab dem Zeitpunkt dieser Erkenntnis musste er sein komplettes Umfeld verlassen und ein neues Leben beginnen. Seitdem lebt er mit seiner Frau undercover irgendwo in Deutschland und hat bereits mehrmals seinen Wohnsitz gewechselt, insbesondere weil die Rechten auf seinen Kopf 5.000 € ausgesetzt haben. Darum stand auch die Veranstaltung in Neumarkt unter Polizeischutz.

 

 

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